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Stichwort Körperdysmorphe Störung

Wenn das eigene Spiegelbild zur Belastung wird

Für Eva wurde der Arbeitsweg jeden Morgen zum Spießrutenlauf. Denn dieser führte vorbei an zahlreichen spiegelnden Schaufenstern und Türen – ihr eigenes Gesicht schien ihr daraus entgegenzustarren wie eine hässliche Fratze.

Wenn Sie auf der Arbeit die Toilette aufsuchte, so vermied sie es peinlichst, ihr Aussehen noch mal im Spiegel zu prüfen. Zuhause hatte sie mittlerweile alle Spiegel entfernt, weil sie ihren eigenen Anblick nicht mehr ertragen konnte.

Ausgehen mochte sie schon seit einiger Zeit nicht mehr, und dass obwohl Tanzen ihre große Leidenschaft war. Verabredungen mit Freunden ging sie aus dem Weg, wegen Ihres Aussehens fühlte sie sich einfach zu unsicher.

Fragte man sie, was sie denn an sich selbst störe, so kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: Meine Haut, meine Nase, meine Zähne. Obwohl es objektiv keine äußeren Makel gab, kreisten Evas Gedanken mehrere Stunden am Tag um die ungeliebten Körperzonen: Wie kann ich mein Aussehen verbessern, soll ich mich etwa einer Schön-OP unterziehen?

Auf die Idee, an einer psychischen Störung zu leiden, war Eva bislang nicht gekommen. Sie war fest davon überzeugt, „abgrundtief hässlich" zu sein. Doch in Wirklichkeit litt sie unter einer Körperdysmorphen Störung, der so genannten eingebildeten Hässlichkeit. Diese Störung ist in der einschlägigen Fachliteratur schon eingehend erörtert worden.

Rückzug aus dem öffentlichen Leben

Bei der Körperdysmorphen Störung handelt es sich um eine verzerrte Körperwahrnehmung: Betroffene empfinden ihren Körper oder bestimmte Körperzonen als extrem entstellt oder hässlich. Zwanghaft kreisen die Gedanken um den betroffenen Körperteil. Die Unsicherheit über das eigene Aussehen ist so stark, dass soziale Kontakte zunehmend gemieden oder Alltagssituation zur enormen Belastung werden.

Von einer kosmetisch-medizinischen Behandlung erhoffen sich viele Betroffene mehr Zufriedenheit. Doch meist stellt sich nach einem solchen Eingriff das erhoffte Glücksgefühl nicht ein – denn die Ursache der Unzufriedenheit löst sich nicht durch die Korrektur einer Hautunebenheit.

Doch es gibt Hoffnung: Psychologen haben das Problem erkannt, mittlerweile stehen viele Behandlungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Verhaltenstherapie zur Verfügung. Leider werden solche Angebote oft erst spät von Betroffenen in Anspruch genommen. Denn wie Eva sind sich die meisten Betroffenen gar nicht darüber im Klaren, dass sie überhaupt krank sind.

Der Operateur als "Aufklärer"

In Evas Fall brachte das Beratungsgespräch mit einem ästhetisch-plastischen Chirurgen die entscheidende Wende. Er gab ihr nach ihren Schilderungen schnell zu verstehen, dass eine Schön-OP das Problem nicht wirklich lösen würde. Das Stichwort „Körperdysmorphe Störung" fiel.

„Ich war irgendwie erleichtert über diese Einschätzung. Sie stimmte ja", meint Eva heute rückblickend. „Eine Schön-Op hätte nichts gebracht, sie hätte mich vermutlich nur noch unglücklicher gemacht", so die junge Frau. Heute geht es ihr besser. Sie nutzt eine Gesprächstherapie, um ihr verzerrtes Körperbild Stück für Stück zu korrigieren. Das ist nicht immer einfach. „Aber dass es mir inzwischen viel besser geht, merke ich immer auf dem Weg zur Arbeit. Mittlerweile bekomme ich nämlich keine Magenkrämpfe mehr, wenn ich mein Gesicht in einer Scheibe sehe", sagt die junge Frau lächelnd.

Hilfe finden

Im Gespräch mit einem Operateur oder einem Psychotherapeuten lässt sich abschätzen, ob Ihre Wünsche nach äußeren Veränderungen nicht einem inneren Leiden entspringen.

Für psychologische Unterstützung können Betroffene oder Angehörige von Betroffenen folgenden Dienst in Anspruch nehmen:

Der Psychotherapie-Informations-Dienst (PID). Dieser Dienst unterstützt bei der Suche nach einem Psychotherapeuten und ist ein Service des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Neben einer kostenlosen Telefonberatung bietet die Internetplattform eine umfangreiche Online-Datenbank zur eigenständigen Recherche zur Verfügung.

Persönliche Telefonberatung 0228 –74 66 99 (Mo, Di, Do, Fr 9-12 Uhr sowie Mo und Do 13-16 Uhr)
Internet psychotherapiesuche.de


Quelle: Psychologisches Institut der Universität Köln, Wikipedia.de
Autor: BSMO
Stand: 18-02-2008



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