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Erfahrungsberichte: Schönheits-OPs in Osteuropa

Günstige Nasenkorrektur kann kostspielige Folgen haben

Ästhetische Eingriffe in Deutschland sind für viele Frauen und Männer oft unbezahlbar. Kein Wunder, dass viele Interessierte mit Schönheitsoperationen in Osteuropa liebäugeln. Denn Schönheitskliniken in Polen und Tschechien werben mit günstigen Preisen. Allerdings geht das nicht selten zu Lasten der Qualität und kann zu weiteren Operationen führen.

Melanie Bauer* hat lange gewartet. Erst mit 36 Jahren entschloss sie sich nach reiflichem Überlegen, ihre Nase korrigieren zu lassen. Das hieß: einen Höcker entfernen, die Nase verkürzen und verschmälern. Der Kosten wegen ließ sie den Eingriff in Prag vornehmen. Für Operation, Flug und Hotel zahlte sie 2.200 Euro, in Deutschland hätte sie für die OP rund 5.000 Euro bezahlen müssen. Das war im August 2006. Heute, knapp ein Jahr später, bereut Melanie Bauer ihren Entschluss nicht. Mit dem tschechischen Chirurgen ist sie "sehr zufrieden". "Es hat alles wunderbar geklappt", sagt sie. Das ist bei Schönheitsoperationen in Osteuropa nicht immer so. Vera Bühler* hat ihre Nase im Oktober 2006 in Polen korrigieren lassen. "Es ist ein Alptraum", sagt die 22-Jährige. "Der Chirurg hat die Nase so sehr verkürzt, dass ich mich im Spiegel fast nicht erkenne. Er hat ganz etwas anderes gemacht, als wir besprochen hatten." Doch das bemerkte die Studentin erst daheim in der Schweiz, als sie den Gips eine Woche nach der OP abnahm. Da war der Schönheitschirurg weit weg in Polen in seiner Klinik und legte Hand an die nächsten Patienten.

Schnell, schnell und ohne direktes Gespräch

Sie sei viel zu naiv gewesen und habe sich zu wenig informiert, sagt Vera Bühler. Die junge Frau glaubte den Fotos und Beteuerungen einer ehemaligen Patientin der Schönheitsklinik. Ein Gespräch von wenigen Minuten genügte dem Chirurgen, um zu erfahren, was seine Patientin möchte. Dabei fungierte sein Vertreter als Übersetzer – der verstand deutsch, der Operateur nicht. Sie brauche sich keine Sorgen machen, versicherte der Vertreter, sein Chef sei ein "Künstler". Morgens angekommen, wurde Vera Bühler bereits mittags in den OP-Saal geschoben. Am nächsten Tag reiste sie mit ihrer vier Mal gebrochenen Nase heim. "Ich bin völlig hereingefallen", urteilt die Studentin. Die billige Nasenkorrektur in Polen kommt sie im Nachhinein teuer zu stehen. Einem Zusammenbruch nahe unterbrach Vera Bühler ihr Studium und suchte sich psychologische Betreuung. Nun soll ein amerikanischer Spezialist ihre Nase in einer weiteren aufwändigen Operation herrichten. "Erst dann kann ich mich wieder wohlfühlen", sagt sie. Die 30.000 US-Dollar für den Eingriff leiht ihr ein Onkel. Ihr Erspartes reichte gerade für die 1.500 Euro, die der polnische Arzt verlangt hatte.

Bei Nasenkorrekturen oft eine zweite Operation notwendig

Eigentlich hat Vera Bühler noch Glück gehabt. Ihre Nase war nach der Operation in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt! Das ist längst nicht selbstverständlich, weiß Dr. Matthias Gensior: "Nasenoperationen sind die Operationen, die am häufigsten einen zweiten Eingriff erfordern, weil Patienten nach einer ästhetischen Korrektur funktionelle Probleme bekommen können. Manche können weniger riechen, andere bekommen schlecht Luft oder schnarchen." Um solche medizinischen Beschwerden zu beseitigen, haben Krankenkassen weitere Operationen bisher bezahlt. Seit dem 1. April 2007 hat sich das geändert. Ist nach einem ästhetischen Eingriff eine Korrektur an medizinischen Funktionen nötig, muss eine Kasse den Patienten nun an den Kosten beteiligen.

Nachsorge bei Auslands-OPs ein Problem

Um bei einer ästhetischen OP ein gutes Ergebnis zu erzielen, rät Doktor Gensior, nicht zu einem "Schönheitschirurgen" zu gehen. Dieser Begriff ist nämlich nicht geschützt – jeder darf sich so nennen. "Um sich die Nase operieren zu lassen, sollte ein Patient entweder einen plastisch-ästhetischen Chirurgen aufsuchen oder einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt beziehungsweise einen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, der eine Zusatzausbildung in plastisch-ästhetischer Chirurgie hat", erläutert der Experte. Eine Schwierigkeit im Ausland: Qualifikationen lassen sich nur schwer überprüfen. Hinzu kommen Sprachbarrieren, und dass die Nachsorge nicht geregelt ist. Auch sieht Gensior ein grundsätzliches Problem: "Zu dem Zeitpunkt, wo jemand in der ausländischen Klinik eintrifft, hat er bereits die Entscheidung gefällt, sich operieren zu lassen – und zwar ohne ein Beratungsgespräch vor Ort geführt zu haben. Da er schon alles gebucht hat, wird er sich sehr schwer tun, die Operation abzublasen." Aufkommende Bedenken werden beiseite geschoben: "Wird schon gut gehen ..."

Klinik nicht vorschnell verlassen

Bei Vera Bühler ist die Schönheits-OP in Polen nicht gut ausgegangen. Aus ihrer leidvollen Erfahrung empfiehlt sie, sich vor einem Eingriff von mehreren Ärzten ausgiebig beraten zu lassen und nicht voreilig eine Entscheidung zu treffen. Auch sollten Patienten die Qualifikation des Chirurgen sorgfältig überprüfen. Melanie Bauer ist zwar mit dem Ergebnis ihrer Nasenkorrektur in Tschechien zufrieden. Dennoch rät sie, die Klinik nicht zu schnell zu verlassen. Sie selbst fuhr am Tag nach der Operation nach Hause und kämpfte mit Kreislaufproblemen. Auch warnt sie Patienten vor übertriebenen Erwartungen: "Wer eine Nasenkorrektur plant, darf nicht glauben: Wenn ich den Gips abnehme, bin ich wunderschön und alle Probleme sind gelöst. Die Zeit der Heilung ist eine harte Zeit. Es dauert etwa ein Jahr, bis alle Schwellungen abgeklungen sind."

* Name von der Redaktion geändert


Quelle: Nach Informationen von Patienten und von Dr. Matthias Gensior, Generalsekretär der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. (GÄCD)
Autor: Martina Janning
Stand: 17-03-2008



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